Aus dem Baumstamm wurde eine Wildsau

 

Schmalkalden. Da rieb sich Hugo Kürschner doch etwas die Augen. Zu seinem 80. Geburtstag transportierte ihm die familiäre Gratulantenschar einen dicken Baumstamm auf den Hof. Nun ist der Jubilar zwar ein begeisterter Schnitzer, aber für sein Hobby war das Holz doch zu massiv. Aber schon schwante Hugo Kürschner etwas und seine Ahnung sollte ihn nicht trügen. Denn der Holzstamm war nur das Ausgangsmaterial für ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk. Was dann folgte war die Erfüllung eines Traumes. Die Familie hatte zum Ehrentag ihres Opas den Europameister im Kettensägenschnitzen eingeladen. Andreas Martin aus Mulda / Erzgebirge ist in der Szene als der Sauensäger bekannt. Schließlich hat er für das Kettensägen- Schnitzen von Wildschweinen ein ganz besonders gutes Händchen. Und natürlich kannte auch Hugo Kürschner den "crazy german" wie ihn die Engländer nennen.

Ein Enkel hatte ihm alles zu dem Mann aus Mulda aus dem Internet gezogen, berichtete der Jubilar vorigen Sonntag begeistert. Dass ihm der aus dem Erzgebirge stammende Revierförster, das ist Andreas Martin im wahren Berufsleben wirklich, aus dem Holzstamm sogar noch ein Wildschwein schnitzte, war ein doppelter Grund zur Freude. Bereits am Vormittag gegen elf Uhr hatte der Europameister mit dem "Schnitzen" angefangen. Zunächst verpasste er der künftigen hölzernen Wildsau eine Sollrissstelle, damit das Kunstwerk später nicht beliebig Risse bekommt, sondern möglichst nur an einer vorgegebenen Linie reißt. "Holz ist Naturmaterial, das kriegt man nie zu hundert Prozent nach Plan", sagte Andreas Martin aber auch. Und setzte die Kettensäge an, dass die Späne nur so stiebten. Insgesamt besitzt er mehrere Exemplare der orangeroten Benzinsägen. Deren längstes Schwert misst 2,16 Meter und ist ein Monstrum von Werkzeug. Meist setzt er diese aber nur zu Showzwecken ein, verriet der Förster, der für sein Hobby am liebsten Holzarten wie Buche verwendet. Eine gängige Arbeitsgröße ist für den außergewöhnlichen Künstler eine Schwertlänge von 18 Zentimetern bis etwa 1,10 Meter. Mit diesen Werkzeugen kann er richtig zupacken und Konturen schaffen, aber auch fast schon filigrane Details herausarbeiten. Angefangen hat dieses immer noch seltene Hobby vor etwa zehn Jahren. Damals schnitzte Andreas Martin, der schon bei den Pionieren in der Schule zur Schnitzgruppe gehörte, seine erste Wildschweingruppe. Für einen Umzug war sie gedacht.

 

Nach diesem Ereignis verschwand das Kunstwerk jedoch in der Versenkung. Drei Jahre später erschien ein Pressebericht über sein Hobby und fortan war Andreas Martin nicht mehr nur der beliebte Revierförster mit dem etwas anderen Hobby, sondern vielmehr noch ein gefragter Holzkünstler mit ungewöhnlichen Objekten. Die einstige Sauengruppe für den Dorfumzug bekam in den vergangenen Jahren sehr viele Mitbewohner auf dieser Erde. Von Deutschland aus drang sein guter Ruf unter anderem bis nach Brasilien, Australien, Amerika und England. Dort überall hat er vor Ort mit seinen kleinen und großen Kettensägen schon geschnitzt. "Mit der Kettensäge durch die Welt", fasst Andreas Martin die vergangenen Jahre seines Hobbys zusammen. Am Gasthaus "Altes Ehrental" schnitzte er am Sonntag den ganzen Tag munter weiter. Jubilar Hugo Kürschner erklärte er dabei jeden einzelnen Arbeitsschritt.

Das 80-jährige Geburtstagskind sprang derweil begeistert auf den Anhänger, um alles genau verfolgen zu können. Die Überraschung war seiner Familie gelungen. Nun soll das Wildschwein auf dem Hof der Kürschners in Grumbach einen geeigneten Platz finden. Für das Aufstellen gab es noch ein paar hilfreiche Tipps des Profis. Andreas Martin beriet Hugo Kürschner wie er das Kunstobjekt am besten vor Witterungseinflüssen schützen kann. Immerhin steckt in dem hölzernen Wildschwein fast die Arbeit eines Tages. Da wäre es schade, wenn das Wildschwein gleich Schaden nimmt. Die Kunstwerke von Andreas Martin finden inzwischen weltweit Fans.

Auch seine Kurse zum Kettensägenschnitzen sind gut besucht. Künftig will der Revierförster dieses nebenberufliche Engagement ausweiten. Informationen über das Hobby udn Tipps dazu finden sich auch auf seiner Internetseite. Doch das alles interessierte Hugo Kürschner nicht so sehr. Seine Aufmerksamkeit galt einzig und allein "seinem" Wildschwein. "In Deutschland kann das wohl keiner besser machen, sagt man", berichtete Andreas Martin dem Jubilar berechtigt stolz. Dessen Kompliment und das der vielen anderen Geburtstagsgäste hatte der Europameister im Kettensägen- Schnitzen jedenfalls sicher.

www.sauensaeger.de

Noch ein Krematorium ist anscheinend eines zuviel

Meiningen / Schmalkalden. Schon längere Zeit ist der Bau eines neuen Krematoriums auf dem Friedhof von Meiningen im Gespräch. Die Stadt hatte in den neunziger Jahren auf eine umfassende und teure Sanierung ihrer bestehenden kommunalen Feuerbestattungsanlage – so der amtliche Begriff - verzichtet. Die beiden damaligen Bürgermeister Kupietz und Gellert vereinbarten seinerzeit, dass das Krematorium in Schmalkalden die Einäscherungen übernehmen soll. Damit sicherte sich die Kreisstadt Kapazitäten für Feuerbestattungen und sparte auf der anderen Seite zugleich erhebliche Investitionen an ihrem Krematorium ein.

Auf Grundlage dieser Vereinbarung ging die Bestattungen Schmalkalden GmbH – Tochter der Kreiswerke - daran, ihre beiden Öfen auf dem Friedhof im Eichelbach zu erneuern. Zirka 700.000 Mark betrug der Investitionsbetrag damals, ein erheblicher Teil der Kosten wurde von der öffentlichen Hand mit dem Geld der Steuerzahler gefördert. Zwei moderne Flachbettöfen lösten veraltete Etagenöfen ab. Damit war die Kapazität fortan so ausgelegt, dass das Krematorium Schmalkalden den Einäscherungsbedarf des neu entstandenen Landkreis Schmalkalden-Meiningen abdecken konnte und kann. Nun aber will das Bestattungsunternehmen Zehner auf dem Meininger Friedhof einen Krematoriumsneubau errichten. Der Bauantrag liegt im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen vor, betätigte Dezernatsleiter Krenzel. Das Dokument wird wie jeder andere Antrag auf fachliche und sachliche Richtigkeit geprüft. Wenn keine Einwände bestehen kann das Vorhaben auch genehmigt werden, schildert der Dezernatsleiter den weiteren Ablauf des Vorgangs.

Doch dagegen regt sich Widerstand. Wie Ralf Holland-Nell, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schmalkalden-Meiningen, weiß, stören sich regionale Bestattungsunternehmen daran, dass die alleinige Betreibung des neuen Krematoriums durch die Firma Zehner zu einer Wettbewerbsverzerrung führen kann. Freilich dürfen Feuerbestattungsanlagen nach Paragraf 22 des Thüringer Bestattungsgesetzes nicht nur von Gemeinden und Zweckverbänden, sondern auch “von privaten Trägern errichtet und betrieben werden”. Ganz so einfach scheint der konkrete Vorgang nicht. Zumindest bestehen Bedenken, dass ein Krematorium in der Hand eines einzigen Unternehmers zu einer Vormachtstellung führen kann. Denn die Preise am Markt werden dann durch einen privaten Betrieb bestimmt, der selbst zum Eigenpreis einäschern könnte. Das könnte wiederum zum Nachteil anderer Bestattungsunternehmen führen. Zumal sich die Krematorien im näheren Umkreis in öffentlicher Hand befinden und damit tarifgebundene Entlohnung zahlen müssen. Zu der wäre das Bestattungsunternehmen Zehner in seinem Krematorium nicht verpflichtet.

Außerdem erfolgt eine Vermischung der Angebote des Bestatters mit den Leistungen der Stadt, so dass der Bürger am Ende meinen könnte, es kommt alles aus privater Hand, lauten die nächsten Befürchtungen. Eine weiteres Krematorium in der Region zu bauen, so Bernd Gellert, wäre der größte Fauxpas. Denn hier besteht bereits eine leichte Überkapazität und es würde nur ein weiterer Verdrängungswettbewerb entstehen, sagt der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Kreistag und Mitglied im Aufsichtsrat der Kreiswerke Schmalkalden-Meiningen. Es

 

könne doch nicht im Sinne der Kreisstadt sein, dass durch derartige Entscheidungen ein kreiseigenes Unternehmen Schaden nimmt, gibt er zu Bedenken. Für das Suhler Krematorium wäre ein Abzug von Einäscherungen in Richtung Meiningen wohl sogar der Todesstoß, die Anlage ist dem Vernehmen nach nur mäßig ausgelastet.

Für die Feuerstätte in Schmalkalden hätte der Betrieb einer weiteren Feuerbestattungsanlage deutliche Einbußen zur Folge. In dem 1968 errichteten Krematorium  wurden bisher rund 65.000 Einäscherungen vorgenommen. Derzeit sind es jährlich etwa 1500 Feuerbestattungen. War deren Anteil früher relativ gering so sind heute etwa 90 Prozent aller Beerdigungen mit einer Einäscherung verbunden. Noch mehr Feuerbestattungen sind nicht zu erwarten, die Kapazitäten reichen also aus. Doch bei allen betriebswirtschaftlichen Zahlen, die es nun auch einmal beim Betreiben eines Krematoriums gibt, sind noch andere Faktoren zu beachten.

Schaut man rein biologisch auf einen Leichnam so gilt es bei Einäscherungen grundsätzlich ein toxisches Problem zu lösen. Denn oft genug besitzen Verstorbene Implantate aus verschiedensten Materialien bis hin zu Kunststoff oder haben hochwirksame Medikamente zu sich genommen von denen Spuren im Körper zurück bleiben. Daher werden mit dem Einäschern in der Hauptbrennkammer – das geschieht bei einer Temperatur bei 900 bis 1200 Grad Celsius – Gase frei, die wegen ihrer Schädlichkeit nach strengen Regularien behandelt werden müssen. Während die Asche des Verstorbenen nach dem ersten Verbrennen entnommen und in die vorgesehene Urne gefüllt wird müssen die restlichen Gase in der Nachbrennkammer bei einer Temperatur nicht unter 850 Grad nochmals gesondert verbrannt werden. Die übrig bleibende Masse kommt in eine Filteranlage und wird dann auf 140 Grad abgekühlt. Danach schleudert ein Zyklon die belasteten Reststoffe heraus. Es kommt nun ein Additiv hinzu welches beispielsweise giftige Stoffe wie Quecksilber bindet. Erst dann gelangen die noch verbliebenen Stoffe in die Filteranlage und werden rauchförmig in die Umwelt abgegeben. Selbst an der Filteranlage gibt es noch einmal Messpunkte welche die Zusammensetzung des Rauches kontrollieren. Geschieht in der Kette ein Fehler gibt es bei modernen Öfen eine Notschaltung, die  alle belasteten Gase nach dem Einäschern direkt in die Luft abgibt.

Automatisch werden somit belastete Stoffe an die Umgebung – in Meiningen sind das mehrere Wohngebiete – abgelassen. Solche Vorgänge an Krematorien führten zum Beispiel zu einer Anfrage des Landtagsabgeordneten Frank Kuschel (Die Linke). Der wollte 2006 wissen wer im Freistaat die Krematorien kontrolliert und wie oft in Thüringen seit dem Jahr 2000 schon Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt worden. Die Antwort vom seinerzeitigen Staatsekretär Prof. Christian Juckenack vom Landwirtschafts- und Umweltministerium war damals bezeichnend. Der Kernsatz lautet: “Für Krematorien gibt es keinen vorgeschriebenen Kontroll- und Überwachungsrhythmus”. In Thüringen erfolgen in der Regel zweimal jährlich Überprüfungen und die finden zumeist auch nur nach Aktenlage statt. Stichproben vor Ort gibt es nur “anlassbezogen”. Das bedeutet Kontrollen wurden und werden in der Regel erst dann durchgeführt wenn schon etwas passiert ist.

Impressum: Erik Hande, Freier Journalist, Herrentälchen 40, 98574 Schmalkalden, Tel. (03683) 409393, Ust.Id. 171/227/01891

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